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6. Februar 2009 - 12:32 Uhr
Märklin: Eine Krise erreicht Wuppertals Hobby-Keller
Auf die Schieflage der Traditionsfirma reagiert die hiesige Modellbahn-Szene besorgt. Händler machen Hoffnung.
 
 



Wuppertal. Für die einen Wuppertaler ist sie eine Wirtschaftsnachricht unter vielen. Die anderen Wuppertaler trifft sie dagegen mitten ins Herz – und wühlt auf dem Weg dorthin auch noch viele alte Erinnerungen aus Kindertagen auf: Der Insolvenz-Antrag des Göppinger Modellbahn-Herstellers Märklin hinterlässt bei den traditionell vielen Eisenbahnfreunden im Bergischen Land seine Spuren.

In der vergangenen Tagen haben sich immer wieder besorgte Modellbahner bei ihren Stammhändlern gemeldet – und sich aus Sorge um Nachschub für ihre Anlagen auch den einen oder anderen Märklin-Artikel gesichert.

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„Märklin wird als Marke nicht untergehen.“

Heinz Müller, Spielwarenhändler

Unterdessen warnen aber gerade auch Wuppertaler Modellbahn-Experten angesichts der schlechten Nachrichten vor Horror-Szenarien im Hobbykeller: „Märklin wird als Marke nicht untergehen“, ist sich zum Beispiel Heinz Müller sicher. Auch den Geschäftsführer des Spielwarenfachhandels Willy Müller in Elberfeld erreichten in den vergangenen Tagen immer wieder Anrufe besorgter Stammkunden. Vereinzelt habe es auch schon Reservierungen für bestimmte Artikel gegeben – aus Angst, dass die Produktion kurzfristig eingestellt wird. Damit sei derzeit aber nicht zu rechnen.

Das Göppinger Unternehmen Märklin wurde 1859 gegründet und führte Generationen von Modellbahnern an das Hobby Eisenbahn heran – gerade auch in Wuppertal: Hier gibt es nach wie vor viele Vereine, Clubs und Privatleute, die Modellbahn-Anlagen betreiben und auch der Öffentlichkeit präsentieren.

Müller (61) – auch er wuchs ganz klassisch mit Märklin-Modelleisenbahnen auf – geht davon aus, dass sich das angeschlagene Unternehmen auf mittlere Sicht „gesund schrumpfen“ und am Markt erhalten wird. „Die Marke steht viel zu sehr für Qualität, als dass sie einfach verschwindet.“ Aber: „Man hat auch versäumt, die Jugend für das Thema Modelleisenbahn zu begeistern.“

Wuppertaler Bekenntnis
auf der Spielwarenmesse in Nürnberg

Mit ähnlichem Optimismus blickt auch Dieter Schierwagen, Geschäftsführer beim Fachhändler Matschke in Barmen, in die Zukunft: „Warten wir doch erst einmal ab, was bei Märklin jetzt wirklich passiert“, erklärt er auf WZ-Nachfrage. Abgesehen von großer Kundentreue liege es gerade jetzt auch am Fachhandel, sich klar zur Marke zu bekennen und im Zuge der Spielwarenmesse in Nürnberg entsprechend zu ordern. Zudem sei das Thema Modellbahn alles andere als eine Generationen-Frage: „Seitdem mein Neffe mit seinen gerade mal drei Jahren eine Eisenbahn gesehen hat, ist er davon fasziniert.“

„Ich bin mit Märklin-Eisenbahnen aufgewachsen.“

Peter Jung, Oberbürgermeister

Im Alltag sei außerdem immer wieder zu beobachten, dass Modelleisenbahner nach jahrelanger Unterbrechung – etwa bedingt durch die erste Freundin oder die Ausbildung – dann schließlich doch wieder zu ihrem alten Hobby zurückfinden. Mit der Digitalisierung der Modellbahnen habe Märklin außerdem gezeigt, dass man auch im Computer-Zeitalter mithalten könne.

Auch für den derzeit prominentesten bekennenden Modellbahn-Fan in Wuppertal sind die schlechten Nachrichten aus Göppingen alles andere als eine Randnotiz: „Auch ich bin mit Märklin-Eisenbahnen aufgewachsen“, erinnert sich Oberbürgermeister Peter Jung, der selbst eine stattliche Anlage sein eigen nennt und nach seinem Umstieg auf die Marke Lehmann vor 15 Jahren jetzt ebenfalls betroffen ist: Märklin hat den insolventen Großbahn-Hersteller seinerzeit selbst übernommen.

Und dann wird es doch noch politisch: „Für mich ist Märklin ein klassisches Beispiel dafür, was passiert, wenn Investoren ein Unternehmen systematisch vor die Wand fahren“, fügt Jung hinzu. „Gerade eine solche Firma kann man nur führen, wenn man mit Herzblut bei der Sache ist.“

Solchem Ernst folgt dann aber doch wieder eine Anekdote: So ist es überliefert, dass Peter Jungs Vater auf dem Weg in die Landesfrauenklinik 1955 im Spielwarengeschäft Sasse eine V-200-Lok von Märklin für seinen Sohn kaufte – noch bevor er ihn zum allerersten Mal sah. Ein offenes Geheimnis ist ebenfalls, dass Jungs Gemütslage im Rathaus mitunter auch an die aktuelle Nachrichtenlage auf seiner Modellanlage gekoppelt ist: Vor kurzem gab es nach WZ-Information ein Signal-Problem mit Kollisionsgefahr, das Jung allerdings lokalisieren und beheben konnte, ohne die kompletten Installationen öffnen zu müssen.

Weitaus komplizierter werden sich dagegen die Operationen zur Rettung der Firma Märklin erweisen – das schätzt auch der Wuppertaler Hans-Jürgen Vorsteher. Als Mit-Initiator einer unabhängigen Online-Plattform für Modellbahnfreunde hat er sein Ohr im wahrsten Sinne des Wortes an der Schiene: „In den 50er und 60er Jahren gehörte die Modelleisenbahn nun einmal unter den Weihnachtsbaum“, erklärt er im Gespräch mit der WZ.

„Mit der Zeit wurden die Eisenbahnen allerdings immer detaillierter und damit auch teurer. Irgendwann war es so weit, dass sich nur noch ein bestimmter Kreis so etwas leisten konnte.“ Sein Tipp: Märklin sollte mehr auf Einsteiger-Modelle setzen. Die vielen Modellbahnclubs und Vereine in Wuppertal werden inzischen weiter großen Einsatz bei ihrem Hobby zeigen. „Aber es fehlt in vielen Fällen leider auch der Nachwuchs.“ Und auch Vorsteher muss sich diesen Satz nicht lange abringen: „Meine erste Eisenbahn war von Märklin.“

Schulprojekt beweist seit 18 Jahren das Gegenteil

Dass Modellbahnen auch unter Kindern und Jugendlichen populär sein können, hat eben erst wieder die Modellbahn-AG der Tagesschule auf dem Dönberg gezeigt. Sie gibt es seit mittlerweile 18 Jahren und war zum Beispiel auch schon auf der Intermodellbau-Messe in Dortmund vertreten – wie viele andere Wuppertaler Modellbahner, die sich jetzt um die Zukunft von Märklin sorgen. Auf das berühmte Abstellgleis würden sie zumindest jetzt gerne verzichten.

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