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LokalesRhein-Kreis NeussNeuss / Grevenbroich / Kaarst / Dormagen
28. April 2009 - 19:10 Uhr
Rhein-Kreis-Neuss: Infarkt - Wenn jede Minute zählt
von Ulla Dahmen
Betroffene wählten 2008 schneller die „112“. Erstmals wurde Telemedizin in Rettungswagen eingesetzt.
 
 

Rhein-Kreis Neuss. Gute und weniger gute Nachrichten hat Professor Michael Haude, Kardiologe und Chefarzt der Medizinischen Klinik am Lukaskrankenhaus: Patienten mit (großem) Herzinfarkt alarmieren schneller den Notarzt und kommen frühzeitiger ins Krankenhaus.

Doch immer noch vergeht zu viel Zeit, bis ihnen das verstopfte Gefäß im Herzen geöffnet werden kann. Die wichtige Marke liegt bei zwei Stunden. Mehr Zeit sollte vom ersten Arztkontakt bis zur Dilatation, der Öffnung der Herzkranzgefäße im Katheterlabor, nicht vergehen.

„Das ist die Herausforderung“, sagt Professor Haude. Im Rhein Kreis wird innerhalb dieser Spanne derzeit nur zwei Drittel der Betroffenen geholfen.

Versorgungsstruktur im Kreis ist gut

Der Kardiologe stellte jetzt die Ergebnisse der Herzinfarktversorgung im Rhein-Kreis Neuss des vergangenen Jahres vor und verglich sie mit den Daten von 2007, als die Situation erstmals kreisweit analysiert wurde.

Die Versorgungsstruktur hält Michael Haude für gut: Den 450000 Einwohnern stehen das Lukas- und das Etienne-Krankenhaus in Neuss, die Kreiskrankenhäuser in Grevenbroich und Dormagen sowie fünf niedergelassene Kardiologen zur Verfügung.

Das Lukas hält als einzige Klinik rund um die Uhr das Katheterlabor vor, im Juni kommt der dritte Behandlungsplatz zum Einsatz. Es gibt fünf Standorte für Notarzt-Einsatzwagen und acht für insgesamt 14 Rettungswagen. Diese Rettungswagen sind sämtlich mit „MobiMed“ ausgerüstet: einem Gerät zur telemedizinischen Datenübertragung.

Der Notarzt kann während des Transportes ein EKG schreiben, dessen Daten unmittelbar zur Intensivstation des Krankenhauses gesendet werden. Allerdings nutzen die Notärzte diese Möglichkeit bisher bei nicht einmal bei jedem zweiten Infarktpatienten.

Die Zahl der Patienten mit großem Herzinfarkt ist in etwa gleich geblieben (2007: 256, 2008: 248). Zwei Drittel kamen im vergangenen Jahr über den Notarzt in die Klinik, deutlich mehr als im Jahr zuvor: „Sehr erfreulich“, kommentiert das Professor Haude, der Notruf 112 wird schneller gewählt.

Das macht sich vor allem bei den Frauen bemerkbar, denn die neigten dazu, „die Zähne zusammenzubeißen“. Ganz falsch bei Verdacht auf Infarkt, wie die Herzspezialisten immer wieder betonen.

Ganze 271 Minuten haben Frauen 2007 nach Auftreten von Brustschmerzen bis zum ersten ärztlichen Kontakt gewartet. 2008 verkürzte sich diese Zeit im Schnitt immerhin auf 90 Minuten, damit waren die Frauen sogar schneller als die Männer. Die Vorgabe der Mediziner: bei 30 Minuten.

Sterblichkeit nicht verbessert

Es geht im Kampf gegen den Herzinfarkt immer wieder um Minuten. Je schneller sich der Patient unter der 112 meldet, je schneller er notärztlich versorgt wird, je schneller ihm im Katheterlabor das verstopfte Gefäß erweitert wird, desto größer die Überlebenschance.

Doch diese Chance hat sich trotz der verbesserten anderen Daten nur geringfügig zum Positiven geändert. Die risiko-angepasste 30-Tages-Sterblichkeit lag 2007 bei 8,9 Prozent, im vergangenen Jahr bei 9,3 Prozent.

Als Ziel bleibt, die Zeiten zu verbessern

Erhebungen, nach denen im Kreis die Sterblichkeit höher sei als im Umland, weist Haude zurück und nennt das „Totenscheinanalysen“. „Je mehr Mühe man sich gibt, desto größer wird die Sterblichkeit.“

Dass in den Erhebungen auch die reanimierten Patienten auftauchen, sei jedenfalls nicht selbstverständlich. Das Ziel bleibt klar umrissen: Telemedizin mehr nutzen, Zeiten verbessern.


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