Wuppertal. „Grenzwertig“ nennt Michael Kroemer, Sprecher der Bergischen Universität, den Online-Auftritt des Studentenausschusses (Asta), auf dem zum „Tribunal gegen die NRW-Landespolitik“ aufgerufen wird – und zwar just zum NRW-Tag kommende Woche. Besonders ärgerlich ist für Kroemer, dass die Asta-Seite mit der offiziellen Homepage der Uni verlinkt ist, Kroemer dem Asta aber natürlich nicht das Recht auf freie Meinungsäußerung absprechen will.
Das für kommenden Freitag vor der Stadthalle angekündigte Tribunal soll laut Asta mit Professoren, Gewerkschaftern und Sprechern verschiedener Initiativen, darunter Tacheles, besetzt werden und über die Landespolitik Gericht halten, während in der Stadthalle Ministerpräsident Jürgen Rüttgers und sein Kabinett zusammenkommen.
Ob es allerdings tatsächlich zu der Gegenveranstaltung kommen wird, ist noch nicht gesagt. Offiziell ist die Versammlung laut Polizei noch nicht angemeldet, was längst hätte geschehen müssen. So bereitet sich die Polizei nicht nur auf viele fröhliche NRW-Tag-Besucher vor, sondern auch auf mürrische Protestler. Die Stadthalle wird am Freitag Sperrgebiet, weshalb der Wupperbeach an diesem Tag die Cocktails im Schrank lassen muss.
Neben dem Asta sind es vor allem autonome Gruppen, die den NRW-Tag am liebsten in der Wupper versenken würden. Auf diversen Internet-Seiten wird ein üppiges Gegenprogramm angekündigt. Das Autonome Zentrum verspricht ein „widerspenstiges Wochenende“ mit Kundegebungen und Musikveranstaltungen. Ein Blog im Netz fordert „Genossen“ zu „kreativen Aktionen“ auf und bietet Platz zum Campen auf den Grünflächen der Stadt an. Offizielle NRW-Tag-Flyer wurden bereits durch Protestaufrufe ausgetauscht. Zudem sind illegale Sprayer zu dem Thema in der Stadt unterwegs.
Trotz allem sehen Polizei und Wuppertal Marketing das Treiben noch gelassen. „Wenn der Protest nach demokratischen Spielregeln abläuft, ist das in Ordnung. Ich gehe davon aus, dass nicht viel passiert“, erklärt Marketing-Geschäftsführer Georg Sander.
Und wenn doch, dann will die Polizei „alles tun, um Störversuche zu verhindern“, wie sich ein Polizeisprecher ausdrückt. Erfahrungen mit Autonomen hat man schließlich genug gesammelt, zuletzt am 1. Mai, als Polizeikräfte eine Autonomen-Veranstaltungen sprengten und es zu Festnahmen kam. Offenbar haben die Gegener dies noch nicht verdaut und kündigen die geplanten Aktionen zum NRW-Tag auch als Reaktion auf den 1. Mai an.

