Wuppertal. Die 60 Wanderfreunde, die sich gestern Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) bei seiner Sommertour über die Sambatrasse anschlossen, hatten sich einen besonderen Tag ausgesucht, der ihnen zum Abschluss noch einen Plausch mit NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) einbrachte.
Der nutzte die Begegnung mit der gut gelaunten und nur von einzelnen CDU-Repräsentanten durchsetzten Freizeittruppe zum medienwirksamen Bad in der Menge, war aber eigentlich nicht zum Wandern gekommen. Der Besuch des Ministerpräsidenten im Wuppertaler Stadion am Zoo sollte dem NRW-Tag zwei Wochen vor dem Anpfiff das ihm gebührende Gewicht verleihen.
Einer der angenehmeren Termine also, weshalb sich die gute Laune der Wanderer auch nahtlos in die düstere Presse-Kammer des WSV übertrug und sich zudem perfekt in das Motto des NRW-Tages „Wuppertal bewegt. Sich. Mich. Dich“ einpasste. Oberbürgermeister Jung hatte lange nach einem Hemd in den NRW-Tag-Farben gesucht und gab sich hemdsärmelig. Auch Rüttgers ließ das Sakko schnell hinter sich, um Wuppertal über den grünen Klee zu loben. Warum sich die Stadt bei den Bewerbern um die Ausrichtung des Landesfestes so weit vorne positionieren konnte? „Weil Wuppertal eine herausragende Konzeption vorgelegt hat, die den Grundgedanken des NRW-Tages verinnerlicht.“ Axel Raulfs, hauptverantwortlicher Mitorganisator aus der Staatskanzlei, wurde da schon etwas konkreter. „Das Besondere an Wuppertal war die Finanzausstattung des Festes. Das unternehmerische Engagement hat mehr als ausgereicht, um ein Fest dieser Größenordnung zu finanzieren.“
„Sie sind ein Opfer-Typ“
Jürgen Rüttgers, NRW-Ministerpräsident, zu Oberbürgermeister Peter Jung, nach dessen Bemerkung, er habe auf seinen Wanderungen durch die Stadt jenen Regen abbekommen, der am NRW-Tag nicht fallen werde.
Tatsächlich kostet die Ausrichtung des NRW-Tages eine satte Million Euro. Aus der Stadtkasse fließt kein Cent in die Veranstaltung, wohl aber aus dem Landeshaushalt – schließlich ist das Land auch Veranstalter. 300000 Euro schießt Düsseldorf dazu, 700000 Euro kommen von Wuppertaler Sponsoren. Genug Geld, um „Wuppertal für drei Tage zur Landeshauptstadt zur machen“, wie sich Rüttgers ausdrückte.
Die Investitionen sollen sich lohnen – für Wuppertal, das Land und vor allem für die 500000 Besucher aus ganz NRW, die an den drei Tagen in der Stadt erwartet werden. „Es lohnt sich nach Wuppertal zu kommen – für die Menschen aus Bielefeld wie für die Menschen aus Aachen“, sagte Rüttgers, ohne alle übrigen NRW-Städte auszuklammern.
Der Hinweis leitete über zur Vielfalt des Programms. Mehr als zwei Jahre ist daran gefeilt worden – vor allem bei der Wuppertal Marketing GmbH. Herausgekommen ist ein 40-seitiges Programmheft, in dem noch nicht einmal alles aufgelistet ist. Allein auf den elf Bühnen in und um Sonnborn werden mehr als 300 Stunden Programm geboten. „Der NRW-Tag ist die mit Abstand größte Veranstaltung, die Wuppertal je erlebt hat“, sagte Marketing-Geschäftsführer Georg Sander nicht ohne Stolz.
Ganz NRW schaut also vom 29. bis 31. August auf Wuppertal und soll dabei mehr ins Blickfeld bekommen als eine Regional-Show. Die ganze Vielfalt des Landes wird sich am 30. August auf den Straßen Sonnborns zusammenfinden, wenn dort zur offiziellen Eröffnung des NRW-Tags eine Festparade mit 70 Gruppen und 1700 Teilnehmern aus allen Landesteilen an den Start geht.
Der NRW-Tag ist aber darüber hinaus eine Plattform für Eigenwerbung. Wuppertal wird sie nutzen, um sich überregional zu empfehlen, die Landesregierung, um Bürgernähe zu demonstrieren. Ministerien und Staatskanzlei informieren und bieten im Zooviertel Aktionen an. Rüttgers Tipp für die NRW-Tag-Besucher: „Wer wissen will, wie die neuen Polizeiuniformen aussehen – am Stand des Innenministeriums werden sie zu sehen sein.“


