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LokalesWuppertalAktuelles
30. Juli 2008 - 16:28 Uhr
Gegen den Koma-Suff bei Jugendlichen
Das Ordnungsamt wird nun wöchentlich aktiv. Klinik will mehr Notaufnahmen.
 
 

Wuppertal. Betrunkene Jungs, Jugendliche auf öffentlichen Plätzen mit Bierflasche in der Hand und junge Menschen, die sich fast ins Koma getrunken haben. Das Ordnungsamt ist offenbar nicht mehr bereit, diese Zustände einfach so hinzunehmen. Einmal in der Woche werden die Ordnungsamtsmitarbeiter nun überall in der Stadt kontrollieren, ob das Jugendschutzgesetz eingehalten wird, wie Carsten Vorsich von der Stadt auf Anfrage der WZ erklärte.

„Überall sieht man junge Leute mit Bier und anderen Sorten Alkohol auf der Straße. Das ist eine Entwicklung, die wir nicht gutheißen können“, sagte Vorsich, und die ersten Kontrollen geben ihm Recht. Bei der jüngsten Kontrolle vor der Discothek Alpenmax wurden mehr als 30 Jugendliche erwischt, die betrunken waren. Spitzenreiter war ein 16-Jähriger, der 1,82 Promille im Blut hatte.

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Notaufnahmen: Mehr betrunkene Jugendliche

Das ist leider kein Einzelfall. Auch die Notaufnahmen beobachten, dass das Phänomen zugenommen hat. Prof. Rüdiger Liersch, stellvertretender Direktor der Helios-Kinderklinik, berichtet von ein bis zwei Jugendlichen pro Woche, die mit mit 1,4 bis zwei Promille Alkohol im Blut eingeliefert werden. Die Jugendlichen bekommen in der Regel eine Infusion und bleiben maximal 24 Stunden unter Beobachtung. „Meistens holen die Eltern sie wieder ab. Je nach Situation verweisen wir auf eine psychologische Beratung“, sagt Liersch.

Ähnliche Erfahrungen macht Dr. Mariola Wybierala, Oberärztin für die internistische Notaufnahme am Petrus-Krankenhaus: Zwei bis drei stark alkoholisierte Jugendliche kämen pro Woche – besonders stark sei der „Betrieb“ rund um Feierlichkeiten wie beispielsweise Barmen Live. Erschreckend: Je nach Trink-Training seien die jungen Leute auch bei zwei Promille durchaus „in der Lage, normal zu funktionieren.“

„Die Betreiber des Alpenmax und auch die Türsteher haben sich vorbildlich verhalten“, schildert Vorsich den jüngsten Fall und ergänzt: „Das muss man dem Betreiber hoch anrechnen“. Die Disco hat Vorkehrungen getroffen, damit 16-Jährige keinen harten Alkohol bekommen. Wer unter 18 Jahren alt ist, bekommt an der Kasse einen Stempel, so dass die der Thekenmitarbeiter wissen: Achtung, nicht volljährig, Schnaps ist verboten.

Gleichzeitig zeigt diese Lösung, dass die besten Absichten nichts nutzen, wenn die Jugendlichen nicht wollen. Erstens kann man sich als 16-Jähriger auch mit Bier legal betrinken und zweitens gibt es immer ältere „Freunde“, welche die harten Sachen kaufen dürfen – und diese dann aus falsch verstandener Freundschaft weiter geben.

„Wir wollen, dass die Eltern wissen, was ihre Kinder so machen. Wir möchten, dass sie sensibilisiert werden“, erklärt Vorsich die Absicht. Auch er weiß natürlich, dass die Überwachung , ob sich Wirte und Betreiber an das Jugendschutzgesetz halten, quasi unmöglich ist. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes müssten inkognito am Tresen stehen – und das ist personell nicht machbar.

Wird jedoch ein Wirt erwischt, wie er Minderjährigen harten Alkohol verkauft, so muss er laut Vorsich beim ersten Mal mit einem Bußgeld in Höhe von 200 bis 250 Euro rechnen. Ab dem dritten Mal handelt es sich um eine Straftat, das Ordnungsamt gibt die Informationen dann an die Staatsanwaltschaft weiter. Spätestens jetzt wird es richtig teuer.

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Auf die Eltern kommt’s an
Von Robert Maus

Die Kontrollen des Ordnungsamtes demonstrieren, dass die Stadt ihrer sozialen Verantwortung gerecht wird. Und auch die Kooperation von Wirten, wie etwa dem Betreiber des Alpenmax, weist den Weg in die richtige Richtung. Aber: Die wichtigste Zielgruppe sind die Eltern. Sie stehen in der Verantwortung, ihren Kindern den maßvollen Umgang mit... mehr  

Die WZ hatte mehrfach berichtet, dass etwa auf dem Elberfleder Weihnachtsmarkt junge, 13-jährige Mädchen, ohne Probleme Glühwein mit Schnaps bekommen haben. Das kann die Budenbetreiber dieses Jahr teuer zu stehen kommen. In Wuppertal wurde die Stelle eines Jugenschutzkoordinators neu eingerichtet und die Kontrollen werden wohl dauerhaft sehr viel häufiger ausfallen, verspricht Carsten Vorsich.

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