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23. Juli 2008 - 00:00 Uhr
Laszlo Dömötör: Er spielt für sein Leben gern
von Ulrike Sinzel
So leidenschaftlich, wie er Klarinette spielt, motiviert er auch seine Musikschüler.
 
 

Krefeld. Eigentlich wollte Laszlo Dömötör nur die gute Meeresluft genießen, als er es sich an Deck der MS Europa in einem Liegestuhl gemütlich machte. Er schlief dabei ein. Als er aufwachte „war es nebelig. Es war halb sechs morgens. Ich wollte aufstehen, aber da war ein Paar, das sich küsste.“

Da wollte er nicht stören, denn er ist ein höflicher Mensch. Er blieb noch liegen. Als er etwas später aufstand „gab es genau in diesem Augenblick plötzlich einen fürchterlichen Krach.“

1984 als Big Band gegründet, leitet Laszlo Dömötör die Jazz-Swing-College-Band der Musikschule Krefeld immer noch erfolgreich. Sie tritt auf verschiedenen Konzerten, auch zu Benefiz-Zwecken auf.
Zu den vielen erfolgreichen Schülern Dömötörs zählen die Krefelder Thorsten Johanns, der als Soloklarinettist beim WDR-Sinfonieorchester spielt, und Jan Schulte-Brunert, der unter anderem regelmäßig bei den Berliner Philharmonikern spielt. Das Alliage Quartett, bestehend aus seinen Schülern Lutz Koppetsch, Sebastian Pottmeier und Martin Hilner, erhält 2005 den Echo Klassik.
In der internationalen Saxophon- und Klarinettenszene ist Dömötör bekannt. So wurde sogar schon der Begriff der „Krefelder Schule“ erfunden.

Der Luxuskreuzer, auf dem der Krefelder Musikschullehrer im Juli 1992 vier Wochen lang spielen sollte, war mit einem Tankschiff zusammengestoßen. „Das Loch war 24 mal 17 Meter groß und verfehlte die explosiven Stoffe des Tankschiffs nur knapp – ein Riesenglück im Unglück“, erzählt der gebürtige Ungar.

Es sollte eine Woche dauern, bis die verkeilten Schiffe wieder getrennt waren und die Rückfahrt antreten konnten. In diesen Tagen spielte Dömötör weiter, zwei Mal täglich: „Auf Bitte des Chefs, um die Leute zu beruhigen – wie auf der Titanic.“

Am liebsten erzählt Dömötör von seinen Musikschülern

Die Musik war schon immer ein fester Bestandteil seines Lebens. In Kecskemet, einer ungarischen Stadt, „in der die Musik eine große Bedeutung hat“, aufgewachsen, lernte er schon im Kindergarten, Blockflöte zu spielen. Sein Vater spielte Geige, und inspirierte ihn, es auch zu versuchen.

Dömötör besuchte ein Konservatorium, ein Musik-Gymnasium, auf dem es neben den gewöhnlichen auch sieben musikalische Fächer gab. Später bekam er ein Stipendium für die Musikhochschule und im Anschluss eine Stelle als Solo-Klarinettist im Symphonie-Orchester des Budapester Operetten- und Musicaltheaters.

Doch über die eigenen Erfolge will er nicht so gern sprechen; viel lieber erzählt er von seinen zahlreichen Musikschülern. Beim Bundeswettbewerb Jugend Musiziert belegen sie regelmäßig die ersten Plätze. Denn genauso leidenschaftlich, wie sich Dömötör dem Klarinettenspiel, dem Saxophon und dem Klavier widmet, so engagiert ist er auch, wenn es darum geht, andere Menschen zu motivieren, diese Begeisterung mit ihm zu teilen.

Sehr viel Zeit verwenden seine Schüler auf die Proben, aber nie würde er sie dazu drängen: „Druck ist immer der falsche Weg.“ Lieber nimmt er eine CD mit ihnen auf, für die Eltern zu Weihnachten.

Wenn man ihn etwas fragt, zum Beispiel, warum er sich 1980 entschloss, nach Krefeld zu kommen, holt er gerne etwas weiter aus. Er fängt mit den Gregorianischen Gesängen und der damaligen Notenschreibweise an, kommt über die französische Revolution zum Kommunismus, und wie der die Möglichkeiten seines Vaters beschnitt, der kein Parteibuch besaß.

Gerne erinnert sich Dömötör an die schönen Abende mit Kammermusik, die die Familie verband und „die den sozialen Status aufhebt, weil man sich aufeinander abstimmen muss, um einen schönen Klang zu erzielen.“

Und warum hatte er sich nun entschieden, nach Krefeld zu kommen? „Ach, wegen Fachidiotie“, ist die diesmal knappe Antwort. Das Theater Krefeld/Mönchengladbach hatte ihn im Konzert erlebt und der Krefelder Musikschule weiterempfohlen.

Jetzt leitet er die Big Band der Musikschule und auch die Mini-Big-Band für den Nachwuchs, das Blasorchester, und gibt Klarinetten- und Saxophonunterricht. Viele seiner Schüler wurden sehr erfolgreich, doch nicht nur das Musikalische ist ihm wichtig: „Ich möchte ihnen auch gerne etwas Tiefgründigkeit mitgeben.“ Was er ihnen vor allem gibt, ist wohl seine Motivation, die aus tiefster Überzeugung kommt.

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