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11. Februar 2008 - 00:00 Uhr
194000 Wuppertaler wohnen ab Herbst in Umweltzonen
von Stefan Melneczuk
Stichtag 1. Oktober 2008: Wuppertal wird in zwei Schutzgebiete eingeteilt. Die Stadt sieht sich in Zugzwang – und übt Kritik an der EU und an der Bezirksregierung.
 
 

Wuppertal. Im Sitzungszimmer des Rathauses war es am Montag förmlich zu hören – das Zähneknirschen der Stadtspitze, als es darum ging, die Pläne zur Einrichtung von Umweltzonen in Wuppertal vorzustellen. Demnach werden weite Teile von Barmen und Elberfeld zum 1. Oktober 2008 zu einem Schutzgebiet, das für Fahrzeuge mit besonders hohen Schadstoffwerten tabu ist. Gleiches gilt für einen Bereich in Vohwinkel.

Etwa 35 Quadratkilometer umfassen die beiden Umweltzonen. In ihnen leben mit insgesamt 194000 Menschen laut Stadt gut 54 Prozent der Wuppertaler Bevölkerung.

Mit gut 300 Hinweisschildern werden die Umweltzonen gekennzeichnet – zu Kosten von 60000 Euro, die die Stadt zu tragen hat. Überwacht werden sie im ruhenden Verkehr durch die Politessen der Stadt, während die Polizei für Kontrollen im fließenden Verkehr zuständig sein wird. Die A 46 bleibt von der Umweltzone ausgespart. Gleiches gilt für Außenbereiche wie etwa Cronenberg, Ronsdorf oder Dönberg.

Die Umweltzone 1 umfasst ab dem 1. Oktober weite Teile der Stadtbezirke Elberfeld-West, Uellendahl/Katernberg, Elberfeld, Barmen, Oberbarmen, Heckinghausen und Langerfeld.

Zur Umweltzone 2 wird im Herbst ein Teil des Stadtbezirks Vohwinkel. Sie dürfen nur mit roter, grüner und gelber Plakette befahren werden. Erhältlich sind die Feinstaubplaketten bei der Zulassungsstelle sowie bei Prüfstellen und Autowerkstätten, die Haupt- und Abgasuntersuchungen durchführen.

Um an diversen Stellen Umgehungsverkehr zu vermeiden, habe man weite Teile des Stadtgebietes in die Umweltzonen einbezogen, hieß es dazu gestern im Rathaus, wobei Oberbürgermeister Peter Jung und Stadtkämmerer Johannes Slawig nicht mit Kritik sparten: Die Verantwortung für die rasche Ausweisung von Umweltzonen liege bei der Bezirksregierung und bei der Europäischen Union, die den Ordnungsdruck einmal mehr an die Städte weitergebe. Jung: „Wir haben uns bewusst für eine kooperative Lösung entschieden.“ Jetzt werde man alles daran setzen, die Belastungen für die Wirtschaft so gering wie möglich zu halten. Ohne Einrichtung von Umweltzonen laufe die Stadt Gefahr, dass die Sperrung kritischer Straßen zum Schutz vor Luft- und Staubbelastungen auf juristischem Weg erzwungen werde.

Eine halbgare Lösung und viel dicke Luft

Kommentar

 

So unbestritten das Ziel auch ist – der Weg dorthin ist eine Farce: Dass Menschen in Großstädten so gut es geht vor Schadstoffen in der Luft geschützt werden müssen, stellt niemand in Frage. Auch und gerade in Wuppertal: In Straßenschluchten entlang der Talachse werden bereits seit Jahren viel zu hohe Schadstoffwerte gemessen und Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid innerhalb kurzer Zeit überschritten. Unbestritten ist auch, dass der immer ausuferndere Straßenverkehr einen großen Anteil daran hat.

Was am 1. Oktober dagegen unternommen wird, ist aber alles andere als ein Durchbruch: Mit der Ausweisung von Umweltzonen wird sich im Herbst für die betroffenen Anwohner zunächst einmal nichts ändern – außer, dass in ihrer Nachbarschaft 300 Hinweisschilder aufgestellt werden, und die zehntausenden Autos und Lastwagen, die täglich an ihnen vorbeirauschen, bunte Plaketten hinter ihren Windschutzscheiben haben. Und das war es dann auch schon.

Was bleibt, sind viele offene Fragen: Was nutzen zwei Umweltzonen auf einer Fläche von 35 Quadratkilometern, wenn die A46 mit ihrem täglichen Massenverkehr davon ausgenommen bleibt? Was bringen die strengsten Reglementierungen im Verkehrsraum, solange das Übel nicht an der Wurzel, nämlich bei der Fahrzeugtechnik, gepackt wird? Was ist mit den anderen Feinstaub-Quellen im Stadtgebiet? Hinzu kommt, dass der Kosten- und Aktionsdruck ein weiteres Mal von Brüssel aus an die Städte weitergereicht wird, ohne dass klar ist, wohin die Reise eigentlich geht.

Bei der Diskussion um Feinstaub ist nach wie vor Aktionismus und Unwissenheit im Spiel. Heraus kommen halbgare und umstrittene Lösungen wie diese hier, die keine Seite zufriedenstellen. In dieser Form werden die Umweltzonen nichts bringen, viel Geld kosten und in Wuppertal erst recht für dicke Luft und Ärger sorgen.

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