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23. Januar 2008 - 00:00 Uhr
Buchhandel: Nettesheim schließt im Sommer
von Axel vom Schemm
Schon wieder macht ein traditionsreicher Buchhändler dicht. Er muss wohl aufgeben, angesichts der Konkurrenzsituation auf dem Buchhandelsmarkt.
 
 

Elberfeld. Buchhändler Karl Wolfgang Nettesheim hat gute Zeiten erlebt. Als Geschäftsführer der familieneigenen Buchhandlung an der Herzogstraße hat der 71-Jährige das Unternehmen zu einer der ersten Adressen der Stadt in Sachen Literatur gemacht.

Im Sommer dieses Jahres – im 80. Jahr der Familientradition – geht die Geschichte der Buchhandlung zu Ende, Karl Wolfgang Nettesheim gibt auf. Er muss wohl aufgeben, angesichts der Konkurrenzsituation auf dem Buchhandelsmarkt, die sich seit Jahren in Wuppertal und vor allem in Elberfeld entwickelt.

Zwei neue Großfilialen: „Wir haben keine realistische Chance mehr“

„Als unabhängige, mittelgroße und inhabergeführte Buchhandlung gehören wir wohl zu einer aussterbenden Gattung“, sagt Nettesheim auf WZ-Nachfrage. Soll heißen: Die Kunden bevorzugen inzwischen ganz offensichtlich die großen, imposant aufgemachten Filialisten wie Thalia oder Mayersche Buchhandlung – die in absehbarer Zeit sage und schreibe vier Mal in Elberfeld vertreten sein werden. Nettesheims ernüchtertes Fazit: „Ich sehe dann keine realistische Chance mehr, dass wir uns am Markt behaupten können“.

Dass die Buchhandlung bereits in diesem Jahr schließt – der genaue Termin steht noch nicht fest –, hat offenbar noch keine drängenden wirtschaftlichen Ursachen.

Das Unternehmen sei zwar nicht mehr auf Rosen gebettet und die Rücklagen rar, sagt Nettesheim. Vielmehr solle frühzeitig gesichert werden, dass die rund 20 größtenteils langjährigen Mitarbeiter in Elberfeld eine reelle Chance bekommen, einen neuen Job finden. Laut Nettesheim hat Thalia bereits eine entsprechende Zusage gegeben. „Unsere Beschäftigten kennen den Wuppertaler Markt bestens.“

Die Cronenberger Nettesheim-Filiale an der Kemmannstraße – im Ortsteil bekannt als „Bücherkiste“ – bleibt von der Geschäftsaufgabe wohl verschont. „Der Laden steht zum Verkauf, und es gibt mehrere Interessenten“, sagt Nettesheim.

Über eine Nachfolge für das Ladengeschäft an der Herzogstraße wird derzeit verhandelt. Dem Vernehmen nach hat sich Thalia engagiert, um einen Mieter für das Haus zu vermitteln, dessen vorderer Teil der Familie Nettesheim gehört.

Wie seine eigene Zukunft aussieht, weiß Nettesheim auch: „Ich gehe in den Ruhestand. Ich denke, ich habe in den vergangenen Jahrzehnten genug gearbeitet.“

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