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23. September 2007 - 00:00 Uhr
Vohwinkeler Flohmarkt: Feilschen wie in der Altstadt Casablancas
von Manfred Görgens
Mit plumpen Sprüchen ist kein Blumentopf zu gewinnen. Handeln verlangt Gefühl. Ein Erfahrungsbericht.
 
 

Wuppertal. Beim Blick auf die Barschaft ist dies gefühlt das Monatsende – und zwar seit fast zwei Wochen. Vohwinkeler Flohmarkt demnach ja, ohne Preislimit nein. Bei 25 Euro ist Ende der Fahnenstange. Was lässt sich mit diesem Geld ersteigern? Wie heftig muss gehandelt werden?

Nun liegt die letzte Schnäppchenjagd so lange zurück, dass zuerst eine Aufwärmphase auf dem Programm steht. Stufe eins: die Ware runterputzen. Trainingsobjekt ist ein „Staubsauger, quasi neu“. „Kollege, wann war eigentlich der erste Flohmarkt in Vohwinkel?“ Der Händler grübelt. „Muss so 40 Jahre her sein.“ „Genau, damals hat das Ding auch schon hier gestanden.“

Sauber! Und jetzt die Masche mit dem Engländer auf Urlaubsreise in gebrochenem Deutsch: „Diese Shirt, sehr schöne Größe und braune Anstrich. Wo ist möglich, eh?“ Kurz ein Blick ins mitgebrachte Wörterbuch. „Wo kann Freundin umziehen?“

Gespielte Unbeholfenheit wiegt den Gegner in Sicherheit, aber noch fehlt das wahre Objekt der Begierde. Flokati-Teppich? Zu verfilzt. 20-Liter-Reservekanister? Zu sperrig. Dann vielleicht ein Emailschild. „Sportsfreund, das Ding setzt Rost an.“ Bei Blech ist das eher ein Gütesiegel. Also Schluss mit den platten Sprüchen. Sie taugen nur zum Kauf von Schraubendrehern im Six-Pack und rauben dem Gegenüber den letzten Nerv.

Im gepflegten Antiquariat hilft ein anderes Kaliber: zur Schau gestellte Unbedarftheit auf der Basis soliden Halbwissens. Also kurz ein Griff zu Liebigs Sammelbildern. Geschlossene Serien zu sechs Stück erzielen Traumquoten, hier liegt ein komplettes Album vor. „Kostenpunkt?“ Der hochpreisige Tiefschlag war vorauszusehen, dennoch wird eine betroffene Miene aufgesetzt: „Genial, diese Bildchen. Wer damals den richtigen Riecher hatte, konnte damit bequemer spekulieren als mit Aktien.“

Die Schwärmerei bringt Händler und Kunden auf Augenhöhe. Nun muss nachgelegt werden. Auf dem Tisch liegt Henry Morton Stanleys „Im dunkelsten Afrika“ von 1890. „Gibt es beide Bände?“ So wird’s gemacht, denn jetzt rechnet der Mann mit mehr als plumpen Kundensprüchen. Klar sind beide Bände im Angebot, und selbstverständlich liegen sie weit über dem Preislimit.

„Schade, 25 Euro hätten auf einen Abnehmer gewartet.“ Ein Blick auf die Uhr. „Der Bus wartet, nichts zu machen.“ In letzter Sekunde ein Schwenk zum eigentlich gewünschten Beutestück: „Vom Werden deutscher Filmgeschichte“ mit vielen eingeklebten Bildern der Stummfilmzeit. „25 Euro ohne Feilschen, die Zeit läuft davon.“ 50 Prozent Rabatt, der Händler schlägt ein. Und der Clou: Ein Bekannter ist Fan und zahlt sogar doppelte Marktpreise. Dann bis demnächst.

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